Kaufberatung Fahrrad

Fangen wir beim Preis als Grundlage an: Wieviel Geld muß ich eigentlich ausgeben, um ein vernünftiges Fahrrad zu bekommen und ist ein Rad für – sagen wir mal 1000 Euro tatsächlich so viel besser als eines für 700 Euro. Diese Frage kann ganz pauschal mit “Ja” beantwortet werden.

Fahrrad einer bestimmten Marke

Natürlich zahlt man aber bei einigen Marken auch den Namen mit. Andererseits, ist ein guter Name aber auch ein Garant für Qualität. Kein Hersteller mit gutem Namen kann es sich erlauben, schlechte Qualität zu verkaufen. Doch wo fangen nun Räder an gut zu werden. Vernünftige 5 bis 8 Gang-Räder – für Wenigfahrer – fangen bei ca. 400.- Euro an, ratsam ist es jedoch ca. 600-700.- Euro auszugeben.

Will man ein Mountainbike, Trekkingrad oder ähnliches, sollte man nicht unter 600-700.- Euro anfangen. Für die Straßenausstattung sollte man nochmal etwa 120.- Euro veranschlagen. Schon recht gute Räder gibt es in diesem Bereich ab etwa 800.- Euro (ohne Straßenausstattung). Federgabeln – bei Mountainbikes heute üblich – sorgen nochmal für einen Aufpreis von gut 300.- Euro.

Will man mit seinem Mountainbike auch dem Namen nach nutzen, bewegt man sich mit einem derartigen Rad allerdings an der absoluten Untergrenze dessen, was sinnvoll ist.
Vollgefederte Räder bieten mehr Fahrsicherheit und Komfort. Vernünftige Alltagsräder gibt ab etwa 700-800.- Euro. Ab gut 1000-1200.- Euro ist man bei Mountainbikes dabei. Auch hier gilt, nicht für richtig grobes Gelände.

Bei allen Radtypen ist die Preisspanne nach oben ziemlich offen. Fährt man viel kann man leicht das dreifache, der oben genannten Preise zahlen und hat immer noch nichts unvernünftig teures gekauft. Wer hier beim Kauf spart, zahlt später nicht selten doppelt und dreifach drauf.

Was unterscheidet nun eigentlich ein teures Rad von einem billigen?

Am Anfang scheinen beide gleich gut zu fahren und zu funktionieren. Die Ernüchterung kommt erst nach einigen Wochen oder Monaten Gebrauch. Bei dem Billigrad wird die Schaltung immer unexakter die Gänge wechseln, die Bremsen mögen bei Nässe einfach nicht ordentlich zugreifen, der Sattel ist bei etwas längeren Fahrten ziemlich unbequem, der Rahmen ist labil etc.
Das am Anfang schicke und tolle Rad wird zu einer Nervensäge und man verliert bald die Lust daran. Das teure Rad wird in der Regel noch nach Jahren wie gehabt funktionieren und nur kleine reparable Fehler haben.

Komponentengruppen

Prinzipiell ist es erst mal ziemlich egal, von welcher Firma die Komponenten sind. Die Firmen Shimano, SRAM und Campagnolo nehmen sich gegenseitig nicht viel. Ausschlaggebend für die Qualität ist primär der Preis. Somit ist der Wunsch nach einem „Shimanorad“ im Prinzip ziemlicher Unsinn.

Was unterscheidet nun die einzelnen Firmen?

Shimano bietet eine besonders einfach zu bedienende und leise Schaltung und extrem kräftige, aber nicht besonders gut zu dosierende V-Bremsen (die Dosierung verschlechtert sich mit nicht darauf abgestimmten Bremshebeln). Neuerdings bietet Shimano auch kräftige Scheibenbremsen an.
Die Schaltung wird mit ergonomisch günstig angebrachten Schalthebeln (Rapidfire) bedient. Ganz neu sind Bremshebel mit vollständig integrierten Schalthebeln, das heißt, wird der Bremsgriff nach oben oder unten bewegt, wird geschaltet.

Eines darf man bei der komplizierten Mechanik einiger Shimano-Produkte aber nicht vergessen. Geht etwas kaputt, ist oft die Reparatur nicht mehr möglich – das ganze Teil muß ausgetauscht werden.

SRAM wird in der Regel mit Drehgriffen oder neu mit Triggerschaltern bedient. Grundsätzlich wird eine ordentliche und dem Preis angemessene Qualität geliefert.
Bei SRAM kann man auch noch damit rechnen, daß es Kleinteile gibt und der Händler tatsächlich z.B. die Nabenschaltungen aufmachen kann und darf.

Campagnolo ist im Billigbereich nicht vertreten. sie bieten sehr schöne, langlebige Komponenten. Allerdings sind Campa-Teile nur noch im Rennrad und Fitnessbereich zu finden.
SRAM und Shimano bieten auch Nabenschaltungen an. Sachs scheint etwas robuster, Shimano dafür leichtgängiger zu sein. Die Gangzahl variiert dabei zwischen 3 und 8 Gängen.

Ein Tip wäre dabei, nicht an der Anzahl der Gänge zu sparen. Beim ersten Hügel ist man froh, wenn man noch weiter runterschalten kann. Übrigens, passt einem die Übersetzung nicht, sollte man zum Händler gehen und hinten ein anderes Ritzel kaufen, hier ist vieles möglich.
Extrem teuer, aber auch gut: Die 14 Gang Rohloff-Nabe. Sie ist für alle die gut, die viele Gänge brauchen/wollen, aber lieber per Nabe schalten.

Bremsen

Die Fahrradbremsen haben in den letzten Jahren einen Riesenschritt vorwärts gemacht! Die Bremsen sind stärker und besser dosierbar geworden.Es gibt prinzipiell sechs verschiedene Bremskonstruktionen: Seitenzugbremsen, V-Brakes, Hydraulik(felgen)bremsen, Scheibenbremsen, Trommelbremsen und Rücktrittbremsen.

Die Seitenzugbremsen empfehlen sich nur für Räder mit sehr schmalen Felgen, also in erster Linie Renn- oder Fitnessräder. V-Brakes sind das, was an einfacheren Rädern am meisten Sinn macht. Diese moderne Variante der Felgenbremse bringt enorme Bremswirkung zu einem moderaten Preis. Erkennbar ist sie daran, daß die Bremse nicht in der Mitte über dem Reifen am Rahmen befestigt ist, sondern sich um zwei Bolzen, links und rechts von der Felge dreht. Die zwei Schwenkhebel sind mit einem Querzug verbunden. Die V-Brake, hat den Vorteil immenser Bremsleistung aber auch den Nachteil einer deutlich schlechteren Dosierbarkeit.

Deshalb werden oft sogenannte Bremskraftmodulatoren eingebaut. Sie sind nichts anderes als Bremskraftverminderer. Mit dem richtigen Modulator bekommt man ein deutlich besseres Gefühl für die Bremskraft, bei einem falschen Modulator hat man jedoch bei Nässe nicht mehr die nötige Bremskraft zur Verfügung um bei Nässe eine Vollbremsung hinzulegen.

Hydraulikbremsen bestechen durch eine ebenso brachiale Bremskraft wie die V-Brake, die Dosierbarkeit ist aber im Gegensatz zu dieser deutlich besser. Sie ist mein persönlicher Tipp wenn auf eine gute und noch bezahlbare Bremse Wert gelegt wird.

Hydraulische Scheibenbremsen sind unabhängig von der Bauart und der Qualität der Felge. Sie bietet eine erstklassige Bremsleistung bei in der Regel hervorragender Dosierbarkeit. Allerdings sind diese Bremsen nicht ganz billig. Zur Nachrüstung sind allerdings nur die wenigsten Räder vorbereitet, da der Rahmen spezielle Befestigungsanbauteile besitzen muß.
Seilzugbetätigte Scheibenbremsen sind von der Bremsleistung und Bedienung her in der Regel deutlich schlechter. Ist einem die hydraulische Scheibenbremse zu teuer, sollte man lieber bei der Felgenbremse bleiben.

Trommelbremsen (eine Abart ist die Rollenbremse) kommen aus gutem Grund immer mehr aus der Mode: Sie sind schlecht dosierbar, bieten eine ungenügende Bremsleistung und sind relativ schwer. Der einzige Vorteil ist, daß sie bei Nässe nicht an Bremskraft verlieren. Die moderne Variante, die Rollenbremse bietet eine deutlich bessere Bremsleistung und Dosierung als die althergebrachten Modelle. Geblieben ist allerdings das Problem der Überhitzung bei langen Bremsungen.

Den Naßbremsvorteil haben auch Rücktrittbremsen. Ansonsten sind sie relativ durchschnittliche Bremsen, die allerdings ebenso wie die Trommelbremse Hitzeprobleme bei langen Bremsungen, wie bei Passabfahrten, haben. Sie gibt es nur bei Rädern mit Nabenschaltungen unter 8 Gängen.

Felgen

Es gibt Felgen aus Aluminium und aus Stahl. Konstruktionsbedingt sind Stahlfelgen instabiler als Alufelgen und haben außerdem einen deutlich geringeren Reibwert, wodurch die Bremsleistung auf ihnen gerade bei Nässe deutlich schlechter als bei Aluminiumfelgen ist.

Bei Alufelgen gibt es U-Profil- und Hohlkammerfelgen. Hohlkammerfelgen sind deutlich widerstandsfähiger gegen Verformung und somit auch vor „Achtern“ besser gefeit. Durch die immer besseren Felgenbremsen enstehen immer häufiger Probleme durch das Durchbremsen der Felgen. Heutige Konstruktionen haben Verschleißmarken o.Ä., die die Gefahr frühzeitig anzeigen.

Beleuchtung

Beim Scheinwerfer ist darauf zu achten, daß er eine Halogenbirne intus hat. Diese bietet deutlich mehr Licht, sodaß der Mehrpreis gerechtfertigt ist. Modische kleine Scheinwerfer bieten oft eine geringere Lichtausbeute als große, intelligent konstruierte Scheinwerfer.
Rücklichter gibt es in den unterschiedlichsten Varianten.

Empfehlenswert sind Modelle mit leistungsstarken Leuchtdioden anstatt der althergebrachten Glühbirne. Die Leuchtdioden sind ähnlich hell, unterliegen aber kaum Verschleiß. Sehr empfehlenswert sind auch Modelle, die mit Hilfe einer Elektronik im Inneren für einige Minuten Standlicht sorgen.

Rücklichter am Schutzblech laufen oftmals in Gefahr durch ihre exponierte Position beschädigt zu werden. Besser ist da die Anbringung am Gepäckträger. Bei Dynamos gibt es wieder eine riesige Variantenvielfalt. Auch hier gilt wieder je teurer, desto besser.

Es gibt Seitenlaufdynamos in mindestens ebenso guter Qualität wie Walzendynamos. Nabendynamos stellen derzeit das Non-Plus-Ultra dar. Ihr Preis ist inzwischen in bezahlbare Regionen gerutscht, weshalb man, auch wenn man nur ab und zu in die Dunkelheit kommt, auf sie nicht verzichten sollte. Teure Dynamos bieten gegenüber ihren preiswerten Varianten eine günstigere Kennlinie und somit ein helleres Licht bei niedrigen Geschwindigkeiten und sind deutlich leichtlaufender.

Akkulichtanlagen sollten ebenfalls vorne mit Halogenbirnen ausgestattet sein. Reicht einem das “Gesehen werden” und braucht selber nicht unbedingt das allerhellste Licht, kann man auch schon brauchbare Scheinwerfer mit LED-Technik kaufen.

Beim Batterierücklicht sind Leuchtdioden inzwischen Standard. Durch den deutlich gerigeren Stromverbrauch der LED’s sind diese gerade hier besonders empfehlenswert. Blinkende Rücklichter entsprechen nicht der StVZO und sind nach Meinung vieler Experten nicht so wirkungsvoll, da der Abstand zu Ihnen nicht so gut geschätzt werden kann.

Allgemeines

Einzelne Marken und Modelle kann und werde ich nicht empfehlen. Wenn man sich einmal den Markt im deutschsprachigen Raum anschaut, so findet man eine Unmenge verschiedene Marken mit einer unüberschaubaren Modellvielfalt. Empfehlungen zu geben, hieße immer ungerecht zu sein und persönlichen Vorlieben zu folgen.

Ich kann nur immer wieder empfehlen zum örtlichen ADFC zu gehen und sich dort nach empfehlenswerten Händlern aus der Umgebung zu erkundigen. Sie werden sicher nach dem Besuch von 2-3 Händlern sofort merken bei welchem Sie „zuhause“ sind. Dieser wird Ihnen dann sicher ihr Wunschfahrrad besorgen können.

Weitere sehr interessante Informationen bietet der Fachausschuß Technik des ADFC Bundesverbandes. Hier bekommen Sie verschiedene Maßtabellen, Anleitungen und Hinweisen zu Rückrufaktionen.

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